Ein Ort für Design, Handwerk und Alltagskultur
Das Museum Angewandte Kunst — kurz MAK — ist eines der bedeutendsten Museen seiner Art in Deutschland. Es widmet sich dem Design und Kunsthandwerk, der Buchkunst und der dekorativen Kunst: also all dem, was Menschen über Jahrhunderte gefertigt, benutzt und bewundert haben. Mit mehr als 60.000 Objekten aus rund 5.000 Jahren Kulturgeschichte bietet es einen einzigartigen Querschnitt durch menschliche Kreativität und handwerkliche Fertigkeiten. Das MAK versteht sich dabei nicht als stille Schatzkammer, sondern als lebendiger Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart des Designs ins Gespräch treten. Bereits der Eingangsbereich macht deutlich, dass hier kein ehrfürchtiges Staunen, sondern neugieriges Erkunden erwartet wird – eine Haltung, die das Museum in allen seinen Abteilungen konsequent durchhält.
Die Sammlung im Überblick
Die Sammlung des MAK Frankfurt umspannt Kontinente und Epochen. Du findest hier europäisches Kunsthandwerk — Jugendstilmöbel, Keramik, Glas und Textilien — genauso wie asiatische Kunst aus Japan, Korea, China und dem Iran. Besonders eindrucksvoll ist die Abteilung für Buchkunst und Grafik, die den Bogen von mittelalterlichen Handschriften bis zur zeitgenössischen Illustration schlägt. Die Textilsammlung gehört zu den umfangreichsten ihrer Art in Deutschland und umfasst Gewebe, Spitzen und Stickereien aus mehreren Jahrhunderten und vielen Kulturkreisen.
Die Dauerausstellung wird durch ambitionierte Wechselausstellungen ergänzt, die aktuelle Designfragen und gesellschaftliche Themen aufgreifen. Dabei überrascht das Haus regelmäßig mit einem frischen Blick auf vertraute Alltagsgegenstände und stellt die Frage, was Design eigentlich kann und soll. Wer einen tiefer gehenden Einblick in bestimmte Sammlungsbereiche sucht, findet in der MAK-Bibliothek und im Studienraum weitere Möglichkeiten zur Beschäftigung mit den Objekten.
Das Gebäude: Ein Meierwerk am Fluss
Das Museumsgebäude am Schaumainkai ist selbst ein Kunstwerk: Der amerikanische Stararchitekt Richard Meier entwarf den weißen Neubau, der 1985 eröffnet wurde. Meiers charakteristische Architektursprache — klare Linien, viel Licht, Weißbeton — lässt die Exponate strahlen und verbindet sich mit einer historischen Gründerzeit-Villa, die in das Ensemble integriert wurde. Die Villa beherbergt heute Teile der Schausammlung und bietet mit ihren stuckverzierten Räumen einen reizvollen Kontrast zur Strenge des Meier-Baus.
Das Ensemble liegt direkt am Museumsufer, wo ein Spaziergang vom MAK zu Städel und Deutschem Filmmuseum zu den schönsten Routen Frankfurts gehört — besonders bei gutem Wetter lässt sich der Ausflug wunderbar mit einem Bummel entlang des Mains verbinden. Die helle, offene Architektur des Meier-Baus schafft eine Atmosphäre, in der die ausgestellten Objekte — vom mittelalterlichen Krug bis zum modernen Industriedesign — gleichermaßen zur Geltung kommen.
Praktische Infos für deinen Besuch
- Adresse: Schaumainkai 17, direkt am Museumsufer in Sachsenhausen — gut erkennbar am weißen Richard-Meier-Bau
- Öffnungszeiten: Di und Do–So 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr, Mo geschlossen
- Eintritt: Regulär und ermäßigt erhältlich; mittwochs ab 18 Uhr oft freier Eintritt — vorab auf der Website prüfen
- Anreise: Gut mit der Straßenbahn erreichbar (Linie 15/16, Haltestelle Schweizer-/Gartenstraße); auch mit dem Fahrrad über den Mainuferweg problemlos zu erreichen
- Museumsshop: Mit einem sorgsam kuratierten Sortiment an Designobjekten, Postkarten und Designbüchern — ideal für ein Mitbringsel mit Niveau
- Café im Museum: Das hauseigene Café lädt vor oder nach dem Rundgang zur Pause mit Blick in den Garten ein
MAK als Denkraum für Gegenwartsdesign
Das MAK Frankfurt versteht sich nicht als reines Schauhaus für Historisches — es positioniert sich als lebendiger Ort der Designdiskussion. Workshops, Symposien und öffentliche Programme bringen Designerinnen, Handwerkerinnen und das interessierte Publikum zusammen. Führungen für Schulklassen und Familien gehören zum festen Angebot; Kinder-Workshops ermöglichen das eigene Ausprobieren von Techniken aus dem Kunsthandwerk und machen deutlich, dass Gestalten kein Privileg von Spezialisten ist, sondern eine menschliche Grundfähigkeit.
Wer mehr als nur Schauen will, findet im MAK Veranstaltungen, die Design als gesellschaftliches Thema ernst nehmen und fragen, wie Gestaltung unsere Wahrnehmung, unsere Haltungen und unsere Umgebung prägt. Diese programmatische Tiefe unterscheidet das MAK von einem reinen Ausstellungshaus und macht es zu einem Ort, an dem Designgeschichte nicht nur gezeigt, sondern aktiv diskutiert wird.
Das MAK im Kontext des Museumsufers
Das MAK ist eingebettet in das Museumsufer, das auf rund drei Kilometern am Sachsenhäuser Mainufer mehr als ein Dutzend Museen vereint. Wer das MAK besucht, hat es nicht weit bis zum Städel Museum, zum Deutschen Architekturmuseum oder zum Museum der Weltkulturen. Am letzten Augustwochenende verwandelt sich das gesamte Ufer beim Museumsufer-Fest in Deutschlands größtes Kulturereignis unter freiem Himmel — ein Termin, den Kulturinteressierte sich vormerken sollten.
Die Lage im Museumsufer-Verbund macht das MAK zu einem idealen Ausgangspunkt für einen ausgedehnten Kulturspaziergang entlang des Mains. Wer in Frankfurt eine gute Mischung aus Kunst, Geschichte und Architektur sucht, wird das Museumsufer mit dem MAK als einem seiner Anker immer wieder neu entdecken — egal, ob beim ersten Besuch oder nach mehreren Jahren.