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Römerberg: Herz der Frankfurter Altstadt und lebendige Geschichte

Wer Frankfurt wirklich verstehen will, beginnt am Römerberg – einem Platz, der Jahrhunderte der Stadtgeschichte in sich trägt und bis heute das pulsierende Zentrum der Altstadt bildet.

Römerberg: Herz der Frankfurter Altstadt und lebendige Geschichte – Frankfurt-Stadtleben

Ein Platz mit tausend Jahren Geschichte

Der Römerberg ist nicht einfach ein hübscher Platz – er ist das Gedächtnis Frankfurts. Schon im Mittelalter war er Markt, Festplatz und politisches Zentrum zugleich. Hier wurden Kaiser gekrönt, Verträge besiegelt und Feste gefeiert, die tage- oder wochenlang dauerten. Die Bebauung hat sich über die Jahrhunderte verändert, Kriege haben Narben hinterlassen, und doch besitzt der Römerberg heute eine Dichte an historischer Substanz und atmosphärischer Qualität, die in Deutschland ihresgleichen sucht.

Wenn du zum ersten Mal auf den Platz trittst – vom Römerberg-Nordzugang her, zwischen dem Historischen Museum und dem Salzhaus – öffnet sich vor dir ein Panorama, das sofort begreifbar macht, warum dieser Ort so viele Menschen anzieht. Links der Römer mit seiner geschwungenen Stufengiebelfront, rechts die wiederaufgebaute Fachwerk-Ostzeile, in der Mitte der Gerechtigkeitsbrunnen und im Hintergrund der Turm des Kaiserdoms – ein Bilderbuch-Ensemble, das trotzdem authentisch wirkt.

Der Römer: Rathaus und Symbol der Stadtmacht

Das bekannteste Gebäude am Römerberg ist der Römer selbst – das Alte Rathaus der Stadt Frankfurt, dessen drei Treppengiebelbauten dem Platz seinen charakteristischen Abschluss nach Westen geben. Der Name „Römer“ geht auf das mittelalterliche Kaufhaus zurück, das die Stadt im 14. Jahrhundert erwarb und zum Rathaus umwidmete. Seitdem regiert Frankfurt von hier aus – auch wenn die eigentliche Verwaltung längst in modernen Gebäuden untergebracht ist.

Besucher können den Kaisersaal im ersten Obergeschoss besichtigen. Dieser große Repräsentationssaal ist mit Porträts aller Heiligen Römischen Kaiser von Konrad I. bis Franz II. ausgeschmückt – ein eindrucksvolles Dokument europäischer Herrschergeschichte unter einem Dach. Die Gemälde sind zwar teilweise Rekonstruktionen, wirken aber im Kontext des historischen Saals auf viele Besucher sehr unmittelbar.

Die Fachwerk-Ostzeile: Rekonstruktion als Hommage

Gegenüber dem Römer steht die sogenannte Ostzeile – eine Reihe sorgfältig rekonstruierter Fachwerkhäuser, die eines der fotogensten Motive Frankfurts bilden. Die ursprünglichen Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und in den 1980er Jahren nach historischen Vorlagen wieder aufgebaut. Heute beherbergen sie Restaurants, Cafés und kleinere Läden.

Was die Ostzeile so besonders macht, ist nicht die Echtheit im konservatorischen Sinne – sondern die handwerkliche Sorgfalt und der städtebauliche Mut, mitten in einer modernen Großstadt ein historisches Ensemble zu rekonstruieren. Besonders am frühen Morgen, wenn der Platz noch ruhig ist, oder in den Abendstunden, wenn warme Beleuchtung die Holzbalken der Fassaden goldig färbt, entfaltet die Ostzeile eine Wirkung, die auch erfahrene Frankfurt-Kenner immer wieder berührt.

Gerechtigkeitsbrunnen: Allegorie auf dem Marktplatz

Mitten auf dem Römerberg steht der Gerechtigkeitsbrunnen, eine der ältesten und bekanntesten Brunnenanlagen der Stadt. Die Figur der Justitia auf der Spitze – in Frankfurt ohne Augenbinde, weil sie die Stadt mit offenen Augen regieren soll – ist ein oft übersehenes Detail mit großer symbolischer Bedeutung. Der Brunnen diente früher als praktische Wasserversorgung und markiert bis heute den Mittelpunkt des Platzes.

Rund um den Brunnen finden zu verschiedenen Jahreszeiten Märkte und Veranstaltungen statt – der Weihnachtsmarkt am Römerberg ist einer der traditionsreichsten Deutschlands und zieht jedes Jahr im Advent hunderttausende Besucher an. Aber auch im Sommer ist der Platz lebendig: Straßenmusiker, Reisegruppen, Einheimische auf dem Weg zur Arbeit und Touristen mit Kameras bevölkern ihn täglich.

Kaiserdom St. Bartholomäus: Krönung und Spiritualität

Unmittelbar östlich des Römerbergs erhebt sich der Kaiserdom St. Bartholomäus, dessen rötlicher Sandsteinturm weithin sichtbar ist und die Silhouette der Altstadt prägt. Als Krönungskirche der deutschen Kaiser und Könige hat der Dom eine historische Bedeutung, die weit über Frankfurt hinausgeht – zehn Könige wurden hier zwischen 1562 und 1792 zum deutschen Kaiser gekrönt.

Innen beeindruckt der Dom durch seine gotische Raumwirkung, die Schlüsselfelder Kapelle mit dem bedeutenden Marienaltar und die Domschatzkammer, in der Reliquiare, Gewänder und liturgisches Gerät aus mehreren Jahrhunderten zu sehen sind. Der Aufstieg auf den Domturm lohnt sich ebenfalls – von der Aussichtsplattform auf rund 66 Metern Höhe hat man einen guten Überblick über die rekonstruierte Altstadtgasse und das DomRömer-Quartier zu seinen Füßen.

Das DomRömer-Quartier: Neue Altstadt für das 21. Jahrhundert

Zwischen Römerberg und Kaiserdom entstand in den letzten Jahren das sogenannte DomRömer-Quartier – eine neue Altstadt, die auf dem Grundriss der mittelalterlichen Stadtstruktur errichtet wurde und deren Gebäude nach historischen Vorbildern rekonstruiert oder neu interpretiert wurden. Das Quartier wurde nach jahrzehntelanger Diskussion und mehreren Planungsänderungen 2018 eröffnet und hat seitdem sowohl Zustimmung als auch kritische Debatten ausgelöst.

  • 35 Gebäude wurden im DomRömer-Quartier neu errichtet, davon 15 als möglichst originalnahe Rekonstruktionen historischer Häuser und 20 als Neubauten in historisch orientierter Formensprache.
  • Das Leinwandhaus am Weckmarkt südlich des Doms ist eines der ältesten erhaltenen weltlichen Gebäude der Stadt und beherbergt heute das Caricatura – Museum für Komische Kunst.
  • Die Gassen und Durchgänge des Quartiers folgen dem mittelalterlichen Stadtgrundriss und schaffen echte Sichtbeziehungen zwischen Dom und Römerberg.
  • Im Erdgeschoss der meisten Häuser befinden sich Restaurants, Boutiquen und Dienstleister – das Quartier soll kein Museum sein, sondern lebendiger Stadtraum.
  • Das Stadthaus am Markt, das erste fertiggestellte Gebäude des neuen Quartiers, beherbergt eine frei zugängliche Ausstellung über die archäologischen Reste und die Geschichte des Ortes.
  • Besonders lebendig ist das Quartier donnerstags, wenn auf der Altstadtgasse ein kleiner Wochenmarkt stattfindet.

Ob man das DomRömer-Quartier als gelungene Hommage an die verlorene Altstadt oder als zu glatt empfindet, ist letztlich Geschmackssache – aber als urbaner Erlebnisraum zwischen Dom und Römerberg funktioniert es gut und lädt dazu ein, Frankfurt in einer Zeitschicht zu erleben, die sonst nur in alten Fotografien und Gemälden existiert.

Häufige Fragen

Was ist am Römerberg in Frankfurt besonders sehenswert?
Das Ensemble aus Römer (Altem Rathaus), der Fachwerk-Ostzeile, dem Gerechtigkeitsbrunnen und dem nahen Kaiserdom St. Bartholomäus macht den Römerberg zu einem der historisch dichtesten Plätze Deutschlands.
Was ist das DomRömer-Quartier und lohnt sich ein Besuch?
Das DomRömer-Quartier ist eine 2018 eröffnete neue Altstadt zwischen Römerberg und Kaiserdom, die auf historischen Stadtgrundrissen und rekonstruierten Fassaden basiert. Es lohnt sich für alle, die Frankfurt abseits der Hochhäuser erleben wollen.
Kann man den Römerberg kostenlos besuchen?
Der Römerberg als Platz ist jederzeit kostenlos und frei zugänglich. Für den Kaisersaal im Römer und die Domschatzkammer wird ein Eintritt erhoben; der Dom selbst ist kostenlos zu besichtigen.