Der „Dom“ ohne Bischofssitz
Streng genommen trägt der Frankfurter Dom den Titel „Dom“ zu Unrecht — Frankfurt war nie Bischofssitz. Dennoch ist die Bezeichnung Kaiserdom für St. Bartholomäus mehr als berechtigt: Ab 1356 wurden hier die deutschen Könige gewählt, ab 1562 fanden im Dom die Krönungen der römisch-deutschen Kaiser statt. Zehn Kaiserkrönungen erlebte das Gotteshaus bis 1792. Diese einzigartige Rolle in der Reichsgeschichte macht den Dom zu einem der bedeutendsten historischen Bauwerke Deutschlands, auch wenn er theologisch nur Pfarrkirche war und ist.
Der Beiname Kaiserdom ist kein marketinggetriebener Zusatz, sondern eine historisch gewachsene Auszeichnung. Er unterscheidet St. Bartholomäus von den vielen anderen Großkirchen des Landes und verweist direkt auf die Zeremonien, die über Jahrhunderte hier stattfanden. Wer das Kircheninnere betritt, spürt diese Dimension: Die Ausmaße und die Schlichtheit der spätgotischen Halle vermitteln eine Würde, die schwer zu beschreiben ist. Frankfurt war als Wahlort keine Selbstverständlichkeit — die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. bestimmte die Stadt 1356 vertraglich dazu, und diese Festlegung gab Frankfurt eine reichspolitische Bedeutung, die weit über seine damalige Größe hinausging.
Geschichte von der Merowingerzeit bis heute
Die Geschichte des Doms reicht bis ins 7. Jahrhundert zurück. Auf den Resten einer merowingischen Kapelle entstanden im Laufe der Jahrhunderte immer neue Vorgängerbauten. Die heutige kreuzförmige Hallenkirche im spätgotischen Stil stammt im Wesentlichen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Der Bau zog sich über mehrere Generationen hin und trägt damit die Handschrift verschiedener Epochen in sich. Dabei überstand der Dom Brände, Kriege und Bombardierungen — und wurde stets wiederaufgebaut. Nach dem Dombrand von 1867, der das Innere schwer beschädigte, dauerte der Wiederaufbau rund elf Jahre. In dieser Phase des späten 19. Jahrhunderts wurde der Dom auch stilistisch überarbeitet: Neugotische Elemente flossen in die Wiederherstellung ein, die mancherorts zu einer Verschmelzung von echtem Mittelalter und historistischer Ergänzung führten, die dem Gesamtbild aber eine eindrückliche Geschlossenheit verleiht.
Der Westturm: Frankfurts erstes Hochhaus
Der 95 Meter hohe Westturm des Doms wird mitunter als „Frankfurts erstes Hochhaus“ bezeichnet — er überragte jahrhundertelang alle anderen Gebäude der Stadt und war auf weite Distanz das erste Zeichen, das Reisenden das Nahen Frankfurts anzeigte. Heute kann der Turm über 328 Stufen bestiegen werden. Der Aufstieg ist nicht barrierefrei und verlangt Kondition, belohnt aber mit einem weiten Rundumblick über die Dächer der Altstadt, die Neue Altstadt und die Skyline des Bankenviertels. Der Kontrast zwischen mittelalterlichem Sandsteinturm und modernen Hochhausfassaden ist von keiner anderen Aussichtsplattform der Stadt so eindrücklich erlebbar. Wer den Turm besteigt, passiert auf halber Höhe eine Aussichtsgalerie, die bereits einen guten Blick auf das unmittelbare Altstadtquartier bietet. Die oberste Plattform erlaubt dagegen einen freien Blick bis weit über die Stadtgrenzen hinaus — bei guter Sicht sind der Taunus im Norden und der Odenwald im Süden zu erkennen.
Kunstschätze und Domschatz
Im Inneren beeindruckt der Dom mit gotischen Gewölben, mittelalterlichen Epitaphien und dem Domschatz, der kostbare sakrale Kunstwerke umfasst. Besonders wertvoll ist eine Schädelreliquie des Heiligen Bartholomäus, die dem Dom seinen Namen gibt und seit dem 13. Jahrhundert hier aufbewahrt wird. Das Dommuseum gibt Einblick in Jahrhunderte Kirchengeschichte und zeigt neben liturgischen Gegenständen auch Textilien und Gemälde, die aus verschiedenen Epochen der Gemeindegeschichte stammen. Für Besucherinnen und Besucher mit Interesse an mittelalterlicher Handwerkskunst ist der Domschatz ein lohnender Halt. Besonders bemerkenswert sind die Epitaphien entlang der Wände des Langhauses: Sie geben Aufschluss über die Familien und Würdenträger, die über Jahrhunderte mit dem Dom verbunden waren, und machen das Kircheninnere zu einem Lesebuch der Frankfurter Stadtgeschichte. Das Dommuseum ist im unmittelbar benachbarten Kreuzgang untergebracht und von der Kirche aus direkt zugänglich.
Lage im Herzen der Altstadt
Der Dom steht unmittelbar neben dem Dom-Römer-Areal und der Schirn Kunsthalle, in Gehweite zum Römerberg und zur Neuen Altstadt. Er ist kostenlos zugänglich — nur für den Turmaufstieg und das Dommuseum wird ein kleiner Eintrittspreis erhoben. Der Platz vor dem Dom bietet eine schöne Aufenthaltsqualität und ist Ausgangspunkt für Stadtführungen. Am frühen Morgen, bevor die Besuchergruppen eintreffen, ist der Domplatz besonders ruhig und eignet sich gut für einen kurzen Halt vor dem Weiterzug durch die Altstadt. Die zentrale Lage macht den Dom zum natürlichen Dreh- und Angelpunkt einer Altstadttour: Von hier sind Römerberg, Neue Altstadt, Schirn und die Gassen der alten Innenstadt in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Wer morgens früh anreist und direkt zum Dom geht, hat die Kirche oft fast für sich allein — das Licht, das zu dieser Stunde durch die Chorfenster fällt, ist von besonderer Qualität.
Praktische Hinweise für den Besuch
Die Kirche ist täglich geöffnet, die genauen Öffnungszeiten variieren je nach Saison und Gottesdienst. Gottesdienste haben für Besucherinnen und Besucher Vorrang; in dieser Zeit ist ein touristischer Besuch nicht möglich. Für den Turmaufstieg empfiehlt sich festes Schuhwerk, da die Stufen teilweise eng und steil sind. Das Dommuseum hat eigene Öffnungszeiten und ist montags in der Regel geschlossen. Fotografieren im Kircheninneren ist gestattet, Blitzlicht hingegen aus Rücksicht auf andere Besuchende und die Kunstwerke nicht erwünscht.
- 95 Meter hoher Westturm — jahrhundertelang höchstes Gebäude Frankfurts
- Ab 1356 Wahlort, ab 1562 Krönungsort der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
- Zehn Kaiserkrönungen bis 1792
- Turmbesteigung über 328 Stufen mit Panoramablick auf Altstadt und Skyline
- Domschatz mit mittelalterlichen Kunstwerken und Reliquie des Heiligen Bartholomäus
- Kostenloser Eintritt in die Kirche; Turmaufstieg und Dommuseum kostenpflichtig