Kultur

Historisches Museum Frankfurt: 2000 Jahre Stadtgeschichte

Im Herzen der Altstadt, direkt am Mainufer, vereint das Historische Museum Frankfurt einen 800 Jahre alten Saalhof mit einem preisgekrönten Neubau und neun spannenden Dauerausstellungen.

Historisches Museum Frankfurt: 2000 Jahre Stadtgeschichte – Frankfurt-Stadtleben

Ein Museumskomplex mit mittelalterlichen Wurzeln

Das Historische Museum Frankfurt liegt am Saalhof 1, unmittelbar am Mainufer zwischen Romerberg und Fahrtor. Der älteste Teil des Gebäudekomplexes, der Saalhof, reicht rund 800 Jahre zurück und gehört damit zu den ältesten erhaltenen Bauten der Stadt. Dieses mittelalterliche Fundament bildet den historischen Kern des heutigen Museums. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Komplex schrittweise erweitert – verschiedene Bauphasen aus unterschiedlichen Epochen sind heute noch ablesbar und machen das Gebäude selbst zu einem Zeugnis der Frankfurter Stadtgeschichte. Wer genau hinschaut, entdeckt am Außenbau Spuren, die vom mittelalterlichen Saalbau bis zur modernen Architektur des 21. Jahrhunderts reichen. Der Standort am Mainufer ist dabei kein Zufall: Schon im Mittelalter war diese Lage strategisch bedeutsam – nahe dem Handelsweg, nahe dem Wasser, nahe dem Zentrum der städtischen Macht. Das Museum trägt diese Schichtung von Geschichte sichtbar in seiner Baustruktur.

Neubau 2017: Sandfarbene Architektur der Gegenwart

Lange war das Museum in einem wenig geliebten Betonbau der 1970er-Jahre untergebracht. 2007 beschloss die Stadt Frankfurt, diesen abzureißen und durch einen modernen Neubau zu ersetzen. Am 7. Oktober 2017 öffnete das neu gestaltete Historische Museum seine Türen – entworfen vom Stuttgarter Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten mit einer markanten Sandsteinfassade, die an die Frankfurter Baukultur des Mittelalters anknüpft. Der Neubau fügt sich sensibel in das Ensemble aus historischen und modernen Bauten am Mainufer ein und wurde für seine architektonische Qualität mehrfach ausgezeichnet. Im Inneren sorgt eine klare, lichtdurchflutete Raumstruktur dafür, dass die Exponate im Vordergrund stehen und Besucher sich intuitiv orientieren können. Die Entscheidung für Sandstein als prägendes Fassadenmaterial war bewusst: Das Material knüpft an den historischen Frankfurter Stadtkern an und schafft eine visuelle Brücke zwischen altem Saalhof und zeitgenössischer Museumsarchitektur, ohne in historisierendes Kopieren zu verfallen.

Was dich in der Dauerausstellung erwartet

Auf rund 6.000 Quadratmetern Gesamtfläche verteilen sich fünf Gebäude und neun verschiedene Ausstellungen. Im Mittelpunkt stehen die beiden großen Dauerausstellungen „Frankfurt Einst?“ und „Frankfurt Jetzt!“ – sie erzählen die Geschichte der Stadt von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Die Ausstellungen arbeiten bewusst mit Fragen statt mit fertigen Antworten: Wer war Frankfurt? Was macht die Stadt aus? Wie hat sie sich verändert? Ergänzt wird das Angebot durch das interaktive Stadtlabor, in dem du eigene Fragen an die Stadt stellen und historische Themen selbst erkunden kannst. Besonders für Familien und Schulgruppen bietet das Stadtlabor niedrigschwellige Zugänge zu komplexen historischen Themen. Die Ausstellungskonzeption setzt auf Dialog statt auf Belehrung: Viele Exponate werden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, und die Besucher werden ausdrücklich eingeladen, eigene Standpunkte einzubringen und zu diskutieren. Das macht das Museum zu einem lebendigen Ort, der sich nicht auf die bloße Präsentation von Objekten beschränkt.

Frankfurts Geschichte auf einen Blick

  • Frankfurt war über Jahrhunderte Krönungsort der deutschen Kaiser – im Kaiserdom St. Bartholomäus wurden zwischen 1562 und 1792 zehn Kaiser gekrönt
  • Die erste deutsche Nationalversammlung tagte 1848 in der nahen Paulskirche – ein Meilenstein der deutschen Demokratiegeschichte
  • Als Handels- und Messestadt war Frankfurt seit dem Mittelalter ein zentraler Knotenpunkt Europas, der Kaufleute aus dem gesamten Kontinent anzog
  • Das Museum dokumentiert auch die schwere Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg und den bemerkenswerten Wiederaufbau nach 1945
  • Die Stadtgeschichte zeigt, wie Frankfurt zur internationalen Finanzmetropole wurde – von der mittelalterlichen Messe bis zur Europäischen Zentralbank
  • Die jüdische Geschichte Frankfurts, eine der bedeutendsten in Europa, ist ein eigenes, wichtiges Kapitel im Museum

Besonderheiten und Tipps für deinen Besuch

Das Historische Museum ist mehr als ein klassisches Stadtmuseum. Die Ausstellungen sind modern gestaltet, viele Objekte lassen sich interaktiv erkunden, und das Stadtlabor lädt ausdrücklich zur Beteiligung ein. Das Haus versteht sich als offener Diskussionsort für Fragen rund um Geschichte, Identität und Zukunft der Stadt. Für Familien mit Kindern gibt es spezielle Führungen und Mitmach-Angebote. Das Museum zeigt zudem regelmäßig Wechselausstellungen, die aktuelle Stadtthemen aufgreifen – von Migration und Stadtentwicklung bis hin zu Frankfurter Persönlichkeiten. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang über den Romerberg und durch die Neue Altstadt verbinden, die direkt angrenzend liegt. Wer das Museum in Ruhe erkunden möchte, sollte mindestens zwei bis drei Stunden einplanen – wer alle Ausstellungen sehen will, kommt mit einem halben Tag gut hin. Der Museumsshop bietet eine sorgfältig kuratierte Auswahl an stadtgeschichtlichen Publikationen und Geschenkartikeln.

Lage, Anreise und praktische Hinweise

Das Museum liegt fußläufig vom Romerberg und der Neuen Altstadt entfernt – ideal zu kombinieren mit einem Besuch des Frankfurter Doms, der Paulskirche oder einem Spaziergang entlang des Mainufers. Mit der U-Bahn erreichst du das Museum über die Haltestelle Römer (U4/U5). Das Museumsrestaurant bietet eine gute Möglichkeit für eine Pause zwischendurch, mit Blick auf den Museumsinnenhof. Tipp: Dienstags ist der Eintritt für Frankfurterinnen und Frankfurter mit Wohnsitznachweis kostenfrei – ideal für alle, die das Haus als regelmäßigen Kulturort nutzen möchten. Führungen für Gruppen und Schulklassen können vorab über die Museumspädagogik gebucht werden. Das Museum ist barrierefrei zugänglich; alle Ebenen sind per Aufzug erreichbar, und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität stehen besondere Angebote bereit. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise finden sich auf der offiziellen Website des Museums.

Häufige Fragen