Das berühmteste Geburtshaus Deutschlands
Kaum ein Ort in Deutschland ist so eng mit einem Dichter verbunden wie das Haus am Großen Hirschgraben 23–25 mit Johann Wolfgang von Goethe. Hier kam er am 28. August 1749 zur Welt, wuchs auf, entdeckte seine Leidenschaft für Literatur und Naturwissenschaft – und schrieb in seinem Dachzimmer erste Entwürfe, die Weltliteraturgeschichte schreiben sollten. Das bürgerliche Patrizierhaus, das Goethes Vater Johann Caspar Goethe im Laufe der Jahre aufwendig ausstatten und umgestalten ließ, spiegelt den Wohlstand und den Bildungsanspruch einer Frankfurter Familie des 18. Jahrhunderts wider. Für jeden, der Goethes Werk kennt und liebt, ist dieser Ort mehr als ein Museum: Es ist ein unmittelbarer Zugang zur Biografie eines der bedeutendsten Schriftsteller der Weltliteratur.
Originalschauplatz und originalgetreue Rekonstruktion
Das heutige Goethe-Haus ist eine sorgfältige Rekonstruktion. In der Nacht vom 22. März 1944 wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff fast vollständig zerstört – nur Fundament, Keller und Kellertreppe blieben erhalten. Bereits im April 1944 beschloss die Stadt den Wiederaufbau. Die Arbeiten begannen 1947; 1951 öffnete das Haus in seiner originalen Form wieder. Möglich war diese Präzision, weil Inventar und Einrichtung rechtzeitig ausgelagert worden waren. Fotos, Baupläne und historische Beschreibungen dienten als weitere Grundlage für die authentische Wiederherstellung. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Die Räume wirken nicht wie eine museale Kulisse, sondern wie ein bewohntes Haus, das die Zeit eingefroren hat.
Vier Stockwerke, die Goethes Welt erzählen
Beim Besuch erkundest du das Haus Stockwerk für Stockwerk. Im Erdgeschoss begegnet dir die Küche, das Empfangszimmer der Mutter und die Kunstsammlung des Vaters, der ein leidenschaftlicher Sammler war und das Haus mit Gemälden, Stichen und Skulpturen ausstattete. Im ersten Obergeschoss erwartet dich ein Musikzimmer mit einem Pyramidenklavier von 1745 – Goethes Schwester Cornelia spielte es regelmäßig. Im zweiten Obergeschoss liegt Goethes Studierzimmer – hier entstanden Entwürfe zu „Götz von Berlichingen“, dem „Urfaust“ und dem Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“, der den jungen Goethe über Nacht europaweit bekannt machte. Im obersten Stockwerk schließlich findet sich sein Puppentheater, mit dem der kleine Goethe seine ersten Bühnenstücke inszenierte und damit früh sein Interesse am dramatischen Erzählen zeigte.
Was du bei deinem Besuch nicht verpassen solltest
- Goethes Studierzimmer im zweiten Obergeschoss, wo weltbekannte Werke entstanden – darunter der „Urfaust“ und „Die Leiden des jungen Werthers“
- Das Pyramidenklavier von 1745 im Musikzimmer – eines der ältesten erhaltenen Instrumente dieser Art
- Das kleine Puppentheater in der obersten Etage, Zeugnis von Goethes Kindheitsleidenschaft für das dramatische Erzählen
- Die Kunstsammlung des Vaters im Erdgeschoss, die Goethes visuell-ästhetische Prägung in der Kindheit erklärt
- Das direkt angeschlossene Goethe-Museum mit Gemälden, Handschriften und Kunstobjekten aus Goethes Zeit
- Das Goethe-Museum – Deutsches Romantik-Museum, das 2021 neu eröffnet wurde und die literarische Epoche unmittelbar neben dem Geburtshaus dokumentiert
Träger und Museum nebenan
Das Goethe-Haus wird vom Freien Deutschen Hochstift betrieben, das 1859 gegründet wurde und eine der ältesten Kulturgesellschaften Deutschlands ist. Der Hochstift verwahrt neben dem Haus auch umfangreiche Archive mit Handschriften und Briefen Goethes sowie anderer Schriftsteller der Klassik und Romantik. Direkt angeschlossen befindet sich das Goethe-Museum – Deutsches Romantik-Museum, das die literarische Epoche der Romantik mit Gemälden, Handschriften und Objekten dokumentiert und 2021 in einem eigens errichteten Neubau eröffnet wurde. Beide Häuser lassen sich mit einem kombinierten Ticket besuchen, was sich für alle empfiehlt, die den literarischen und kulturhistorischen Kontext Goethes vollständig erfassen möchten.
Lage und Anreise
Das Goethe-Haus liegt im Herzen der Frankfurter Innenstadt, nur wenige Gehminuten vom Romerberg und der Zeil entfernt. Der nächste U-Bahn-Haltepunkt ist Hauptwache (U1–U9). Ideal zu kombinieren mit einem Besuch des Frankfurter Doms, der Schirn Kunsthalle oder der Neuen Altstadt. Wer möchte, verlängert den Tag mit einem Spaziergang entlang der Zeil oder einem Besuch im Café Metropol am Romerberg. Das Goethe-Haus ist eines der meistbesuchten Literaturmuseen Deutschlands – ein Besuch in der Vorweihnachtszeit oder zu Goethes Geburtstag am 28. August wird von besonderen Programmen und Führungen begleitet.