Wer Frankfurt von seiner grünen Seite kennenlernen möchte, steigt am besten aufs Fahrrad und folgt der Nidda. Der Fluss, der auf knapp 90 Kilometern von seiner Quelle im Vogelsberg bis zur Mündung in den Main bei Frankfurt-Höchst fließt, durchquert auf einem 18,6 Kilometer langen Abschnitt das gesamte Frankfurter Stadtgebiet – und an seinem Ufer verläuft durchgehend ein ausgeschilderter Fuß- und Radweg. Dieser Abschnitt ist nicht nur eine Freizeitroute, sondern ein zentrales Grünband, das mehrere Stadtteile miteinander verbindet und Naherholung mitten in der Großstadt ermöglicht.
Eine Route, die kaum Höhenmeter kennt
Das Schönste an der Nidda-Route innerhalb von Frankfurt: Sie ist praktisch flach. Von Berkersheim im Nordosten bis zur Wörthspitze in Nied im Westen rollst du entspannt durch Auenlandschaften, Streuobstwiesen und renaturierte Flussabschnitte. Familien mit Kindern, Gelegenheitsradler und alle, die einfach durchatmen wollen, sind hier genau richtig. Das Gelände erlaubt es, die gesamte Strecke ohne Anstrengung in ein bis zwei Stunden zu radeln, wobei du den Großteil auf asphaltierten oder gut befestigten Wirtschaftswegen zurücklegst. Wer möchte, kann einzelne Abschnitte auch zu Fuß erkunden – der Weg ist auch als Spazierweg gut ausgeschildert.
Teil des großen Grüngürtel-Rundwegs
Der Nidda-Abschnitt ist Bestandteil des etwa 64 Kilometer langen Grüngürtel-Rundwegs um Frankfurt. Wer die volle Runde drehen will, kann die Nidda-Etappe mit dem Stadtwald, dem Mainufer und weiteren Grünzügen zu einer mehrstündigen Tagestour verbinden. Für kürzere Ausflüge bieten sich Einstiegspunkte in Praunheim, Hausen oder Rödelheim an – alle gut mit S-Bahn und U-Bahn erreichbar. Die Ausschilderung des Grüngürtel-Rundwegs ist durchgängig zuverlässig, sodass du auch ohne Karte zurechtkommst. Wer eine digitale Karte bevorzugt, findet die Route auf allen gängigen Fahrrad-Navigations-Apps eingetragen.
Was du unterwegs siehst
Entlang der Strecke passierst du Naturschutzgebiete mit Wasservögeln, historische Wehranlagen und kleine Brücken. Besonders zwischen Praunheim und Hausen erstrecken sich weitläufige Niddawiesen, die unter Naturschutz stehen und als eines der bedeutendsten innerstädtischen Feuchtgebiete Hessens gelten. Im Frühling und Herbst lassen sich hier zahlreiche Zugvögel beobachten. Im Sommer laden die Niddawiesen zum Pausieren ein – viele Frankfurter verbringen hier ihre Mittagspause oder genießen nach Feierabend die Abendsonne am Ufer. Hunde sind an vielen Abschnitten willkommen, einige Bereiche gelten jedoch als Schutzzone, in denen die Natur Vorrang hat.
Geschichte entlang des Flusses
Die Nidda ist kein gewöhnlicher Stadtfluss. Über Jahrhunderte trieb sie Mühlen an, bewässerte Felder und bildete natürliche Grenzen zwischen Siedlungen. Noch heute sind in manchen Abschnitten alte Mühlgräben und Stauwehre zu erkennen, die an diese Vergangenheit erinnern. In den 1980er-Jahren wurde die Nidda auf mehreren Abschnitten renaturiert: Begradigungen wurden rückgängig gemacht, Ufer wieder natürlich gestaltet. Das Ergebnis sind mäandrierende Flussläufe, die Fischen, Amphibien und Libellen wertvollen Lebensraum bieten. Diese Renaturierungsmaßnahmen gelten heute als Vorzeigeprojekt für Stadtökologie in Deutschland.
Kombinationstipps
In Rödelheim lässt sich die Tour gut mit einem Besuch der Nidda-Brücken und kleinen Cafés verbinden. In Praunheim zeigen die berühmten Siedlungsbauten des Neuen Frankfurt aus den 1920er-Jahren direkt neben dem Radweg – ein außergewöhnliches Architekturensemble, das zum Weltkulturerbe angemeldet wurde und als eines der bedeutendsten Beispiele des sozialen Wohnungsbaus der Weimarer Republik gilt. Am westlichen Ende, an der Wörthspitze in Nied, mündet die Nidda in den Main – ein schöner Abschluss mit Blick auf das Wasser. Von dort aus kann die Tour bei Interesse entlang des Mainufers weitergeführt werden.
Praktische Infos für deine Tour
- Streckenlänge innerhalb Frankfurt: ca. 18,6 km (Berkersheim bis Nied)
- Gesamte Niddaroute als Rundweg: ca. 64 km um Frankfurt
- Höhenprofil: nahezu eben, ideal für alle Altersgruppen
- Beste Jahreszeit: April bis Oktober, nach Regenfällen können Teilabschnitte schlammig sein
- Fahrradverleih: an zahlreichen S-Bahn-Stationen entlang der Strecke (z. B. über nextbike)
- ÖPNV-Anbindung: S-Bahn-Stationen Rödelheim, Hausen, Praunheim-Heerstraße
Warum der Nidda-Weg so beliebt ist
In einer Großstadt wie Frankfurt ist es ein Privileg, auf einem zusammenhängenden, autofreien Weg von einem Ende der Stadt zum anderen zu radeln. Die Nidda macht genau das möglich. Sie ist Erholungsraum, Sportstrecke und stilles Naturrefugium zugleich – und das mitten in der Stadt, die sonst vor allem für Skyline und Bankenviertel bekannt ist. Kein Wunder, dass die Route auch unter Touristinnen und Touristen zunehmend bekannter wird: Wer Frankfurt abseits der Innenstadt erleben möchte, findet hier einen authentischen Blick auf den grünen Alltag der Mainmetropole.