Steckbrief
- Ortsbezirk
- Frankfurt-Mitte-West / Frankfurt-Nord-West
- Einwohner
- ca. 16.500
- Bekannt für
- Ernst-May-Siedlung (Neues Frankfurt), Kleingärten, Nidda-Ufer
- Wahrzeichen
- Siedlung Praunheim (denkmalgeschützter Wohnungsbau, 1926–1930)
Das Neue Frankfurt beginnt hier
Praunheim ist untrennbar mit einem der bedeutendsten Kapitel der Architekturgeschichte verknüpft: dem „Neuen Frankfurt“ unter Stadtbaurat Ernst May. Zwischen 1926 und 1930 ließ May hier eine der ersten Siedlungen seines umfassenden Wohnbauprogramms errichten – mit rund 1.441 Wohneinheiten in drei Bauphasen. Flachdächer, helle Fassaden, rationalisierte Grundrisse und begrünte Innenhöfe: Die Siedlung Praunheim war radikal modern und sollte Wohnen für die breite Bevölkerung erschwinglich und menschenwürdig machen. Die Grundrisse wurden auf Effizienz getrimmt – jeder Quadratmeter sollte optimal nutzbar sein. Berühmt wurde in diesem Zusammenhang auch die sogenannte „Frankfurter Küche“, eine von der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entwickelte Einbauküche, die erstmals in den May-Siedlungen verbaut wurde und als Vorläuferin der modernen Einbauküche gilt. Wer durch die Siedlung Praunheim geht, spürt noch heute den utopischen Anspruch dieser Baujahre.
Ernst May und das Weimarer Bauprogramm
Ernst May, Architekt und Frankfurter Siedlungsdezernent von 1925 bis 1930, realisierte in dieser Zeit stadtplanerische Eingriffe, die bis heute nachwirken. Rund 15.000 Wohnungen entstanden in verschiedenen Frankfurter Siedlungen, darunter Römerstadt, Westhausen und Bruchfeldstraße. Die Siedlung Praunheim war die erste und gilt als Ausgangspunkt dieser visionären Bautätigkeit. Heute stehen die May-Siedlungen unter Denkmalschutz. Das internationale Ansehen von Mays Werk ist beachtlich: Architekten und Stadtplaner aus aller Welt reisen nach Frankfurt, um die Siedlungen zu studieren. In Fachkreisen gilt das Neue Frankfurt als einer der bedeutendsten Beiträge der Weimarer Republik zur Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts – und Praunheim ist der Ausgangspunkt dieser Geschichte.
Kleingärten als Lebensphilosophie
Neben der berühmten Siedlung prägen ausgedehnte Kleingartenanlagen das Bild Praunheims. Im Geist des Neuen Frankfurt war das kein Zufall: Gartenarbeit und Selbstversorgung galten als wichtiger Teil des neuen, gesunden Lebens. Heute sind die Kleingärten ein sozialer Treffpunkt – bunt bepflanzt, gepflegt und von verschiedensten Kulturen bewohnt. Die Parzellen wechseln regelmäßig ihren Besitzer, und die Wartelisten für Kleingärten in Frankfurt sind lang – was zeigt, wie begehrt das Stück Grün inmitten der Stadt ist. In Praunheim ist der Kleingarten kein museales Konzept, sondern gelebte Gegenwart: Hier wird gegrillt, gebaut, geerntet und gefeiert. Für Kinder sind die Gartenanlagen oft der erste Kontakt mit dem Anbau von Gemüse und Obst.
Natur am Nidda-Ufer
Die Nidda bildet den nördlichen Abschluss Praunheims und bietet eine der beliebtesten Freizeitachsen im Frankfurter Nordwesten. Entlang des Flusses verläuft ein beliebter Rad- und Spazierweg, der bis nach Rödelheim und Hausen führt. Wer früh morgens durch die Nidda-Auen spaziert, erlebt Frankfurt von seiner ruhigsten Seite. Die Nidda wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts begradigt und später teilweise wieder renaturiert – heute bietet sie einen naturnahen Lebensraum für Vögel, Fische und Insekten. An warmen Tagen tummeln sich Familien und Sportler am Ufer; Liegewiesen und schattige Baumreihen machen den Nidda-Abschnitt in Praunheim zu einem der angenehmen Naherholungsorte im Frankfurter Westen.
Wohnen zwischen Moderne und Natur
Praunheim ist heute ein lebendiger Wohnstadtteil mit gut 16.500 Einwohnern. Die Mischung aus denkmalgeschützter Architektur, ruhigen Wohnstraßen und der Nähe zur Nidda macht den Stadtteil attraktiv für Familien ebenso wie für Architekturinteressierte, die die Siedlung Ernst Mays auf eigene Faust erkunden möchten. Die Infrastruktur ist solide: Schulen, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten und medizinische Versorgung sind vorhanden. Der öffentliche Nahverkehr verbindet Praunheim gut mit der Innenstadt und den umliegenden Stadtteilen. Wer in Praunheim wohnt, schätzt die Ruhe, die Grünflächen und das Bewusstsein, in einem Stück lebendiger Stadtgeschichte zu leben.
Sehenswertes und Touren
Die Ernst-May-Gesellschaft bietet geführte Touren durch die Frankfurter Siedlungen an – ein lohnender Ausflug für alle, die mehr über das Neue Frankfurt erfahren möchten. Praunheim ist dabei immer erste Station. Das Besondere: Man wohnt und spaziert gleichzeitig durch ein Stück Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Touren dauern in der Regel zwei bis drei Stunden und verbinden mehrere Siedlungen miteinander. Wer lieber alleine erkundet, findet im Netz ausführliche Informationen und Karten, die die wichtigsten Bauten der May-Ära markieren. Auch das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt widmet dem Neuen Frankfurt regelmäßig Ausstellungen – ein guter Einstieg für alle, die tiefer in die Geschichte eintauchen möchten.
- Siedlung Praunheim: erste und älteste Ernst-May-Siedlung (1926–1930), heute Baudenkmal
- Ca. 1.441 Wohneinheiten in drei Bauphasen – Vorbild für modernen Sozialwohnungsbau
- Kleingärten als Teil der ursprünglichen Siedlungsphilosophie – heute multikultureller Treffpunkt
- Nidda-Uferweg: beliebte Rad- und Wanderroute, teilweise renaturiertes Flussufer
- Ernst-May-Gesellschaft bietet geführte Touren durch die Siedlungen an
- Ruhiger Wohnstadtteil mit gut 16.500 Einwohnern, solider Nahversorgung und ÖPNV-Anbindung