Frankfurt und das Fahrrad: Eine unterschätzte Kombination
Viele Frankfurt-Besucher denken bei der Stadt zuerst an Hochhäuser, Finanzbranche und Flughafen. Doch die Mainmetropole ist auch eine ausgezeichnete Fahrradstadt – mit einem gut ausgebauten Radwegenetz, weitgehend flachem Gelände und einem Main, der auf beiden Seiten wunderschöne Uferwege bietet. Ob Wochenend-Ausflug oder morgendliche Runde vor der Arbeit: Wer einmal auf dem Rad durch Frankfurt gefahren ist, möchte diese Perspektive nicht mehr missen.
Das Radwegenetz der Stadt wird stetig ausgebaut. In den vergangenen Jahren sind viele neue Radspuren entstanden, und die Beschilderung der wichtigsten Tourenrouten ist inzwischen verlässlich. Frankfurt ist damit deutlich fahrradfreundlicher geworden als sein Ruf vermuten lässt – und wer die Stadt auf zwei Rädern entdeckt, erlebt Quartiere und Uferabschnitte, die dem Fußgänger oder Autofahrer schlicht verborgen bleiben.
Der Mainuferweg: Richtung Offenbach und Richtung Höchst
Das Herzstück des Frankfurter Radwegnetzes ist der Mainuferweg, der auf beiden Seiten des Flusses entlangführt. Auf dem Südufer geht es von der Innenstadt bequem Richtung Sachsenhausen und weiter nach Osten bis nach Offenbach – eine flache, gut befahrbare Strecke, die auch für weniger geübte Radfahrer geeignet ist. Unterwegs passierst du die Museumszeile, alte Lagerhäuser und kleine Uferbereiche am Main, an denen im Sommer das Leben tobt.
In die andere Richtung, Richtung Westen, führt der Mainuferweg über Griesheim und Nied bis nach Frankfurt-Höchst mit seiner sehenswerten Altstadt. Diese Strecke ist etwas länger und abwechslungsreicher: Du fährst an Kleingärten, Auenwäldern und ruhigen Flussbuchten vorbei, bevor du die historische Altstadt Höchst erreichst – ein lohnenswertes Ziel für eine Halbtagestour.
Besonders reizvoll ist der Abschnitt direkt am Sachsenhäuser Mainufer, wo an Wochenenden und warmen Abenden das Stadtleben auf den Weg übergreift. Hier schieben sich Spaziergänger, Inline-Skater und Radfahrer friedlich aneinander vorbei. Wer früh morgens fährt, erlebt die Strecke noch menschenleer und kann den Sonnenaufgang über dem Main in aller Ruhe genießen – ein Erlebnis, das sich lohnt.
Der Niddaradweg: Natur pur entlang der Nidda
Wer die Natur sucht und das Stadtgewimmel hinter sich lassen will, ist auf dem Niddaradweg gut aufgehoben. Der Weg folgt dem Verlauf der Nidda, eines rechten Main-Nebenflusses, der bei Frankfurt-Höchst in den Main mündet. Die Strecke führt durch Grünanlagen und naturbelassene Uferstreifen und ist weitgehend autofrei. Besonders der Abschnitt durch den Niddapark ist ein Geheimtipp: Hier kannst du die Nidda-Auen erleben und hast kaum das Gefühl, mitten in einer Großstadt zu sein.
Der Niddaradweg lässt sich gut mit einem Besuch des Günthersburgparks oder des Brentanobads kombinieren – beide liegen in unmittelbarer Nähe der Route. Im Frühling, wenn die Wiesen entlang der Nidda blühen, gehört dieser Weg zu den schönsten Radstrecken im gesamten Rhein-Main-Gebiet. Die Route eignet sich dank des ruhigen, naturnahen Verlaufs besonders gut für Familien mit Kindern, die noch nicht so ausdauernd sind.
Der GrünGürtel-Radrundweg: Die große Runde
Für alle, die gerne eine komplette Runde drehen, ist der GrünGürtel-Radrundweg das Highlight schlechthin. Der rund 64 Kilometer lange, ausgeschilderte Rundkurs führt als Ring um die gesamte Stadt und erschließt Frankfurts grüne Außenbezirke – von Stadtwald und Sachsenhäuser Berg über Enkheim und Bergen bis hin zu Römerstadt und Niddapark. Die Gesamtstrecke empfiehlt sich eher für erfahrene Radfahrer oder als mehrtägiges Projekt in Etappen. Wer nur einen Teil fahren will, kann problemlos an verschiedenen Stellen einsteigen und aussteigen.
Besonders schön ist der Abschnitt durch den Stadtwald im Süden der Stadt: Auf breiten, schattigen Wegen fährst du durch einen der größten Stadtwälder Deutschlands, der auch im Hochsommer angenehm kühl bleibt. Wer den GrünGürtel-Radrundweg an einem langen Sommertag vollständig in Angriff nehmen will, sollte früh starten und ausreichend Proviant mitnehmen – Verpflegungsmöglichkeiten gibt es zwar an mehreren Stellen, sie sind aber nicht so dicht gesät wie in der Innenstadt.
- Mainuferweg Ost (Frankfurt Innenstadt – Offenbach): flach, ideal für Einsteiger und Familien.
- Mainuferweg West (Frankfurt Innenstadt – Höchst Altstadt): ebenfalls flach, mit historischem Ziel.
- Niddaradweg (durch Frankfurt bis ins Umland): weitgehend autofrei und naturbelassen entlang der Nidda.
- GrünGürtel-Radrundweg (komplette Runde): rund 64 km, für geübte Radfahrer oder in Etappen.
- Kombination Sachsenhausen – Museumsufer – Sachsenhäuser Berg: kompakte Stadtrunde mit Aussichtspunkten.
- Stadtwald-Runde: Schattige Wege durch einen der größten Stadtwälder Deutschlands, ideal im Sommer.
Pausen und Biergärten am Ufer
Eine Radtour entlang des Mains wäre ohne die richtigen Pausen unvollständig. Entlang des Mainuferwegs gibt es zahlreiche Möglichkeiten, kurz innezuhalten und die Atmosphäre zu genießen. Besonders beliebt sind die Außengastronomie-Bereiche im Sachsenhäuser Museumsuferviertel sowie die Biergärten in Griesheim und Höchst. Im Sommer laden auch schlichte Uferbänke und Wiesenflächen zum Verweilen ein – man nennt das in Frankfurt ganz entspannt „am Main sitzen“.
Wer nach Höchst radelt, sollte die Altstadt unbedingt mit einer Einkehr verbinden. Die kleinen Gaststätten und Cafés rund um den Höchster Schlossplatz bieten eine willkommene Auszeit nach der Anfahrt. Auch auf dem Rückweg entlang des Nordufers gibt es immer wieder Bänke mit Blick auf den Main, an denen du Pause machen und dem Treiben auf dem Fluss zuschauen kannst – Ausflugsschiffe, Motorboote und gelegentlich Paddler beleben die Szenerie.
Leihräder und praktische Tipps
Wer kein eigenes Fahrrad mitbringt, ist in Frankfurt gut versorgt. Mit Call a Bike (Deutsche Bahn) und nextbike stehen zwei Bike-Sharing-Systeme mit zahlreichen Stationen im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung. Außerdem gibt es verschiedene Anbieter für E-Bikes und Lastenräder. Für längere Touren empfiehlt sich ein E-Bike, damit auch unerwartete Gegenwind-Abschnitte entspannt bleiben. Denk an ausreichend Wasser, einen Helm und eine kleine Werkzeugtasche – und prüfe vorher, ob deine Reifen ausreichend Luft haben.
Für die Routenplanung lohnt sich ein Blick auf den Radroutenplaner Hessen, der kostenlos online verfügbar ist und die wichtigsten ausgeschilderten Routen in und um Frankfurt abbildet. Wer lieber mit dem Smartphone navigiert, findet die meisten Frankfurter Radrouten auch in gängigen Fahrrad-Apps wie Komoot oder Strava hinterlegt – inklusive Höhenprofil, Wegbeschaffenheit und Nutzerbewertungen. So lässt sich die Tour ganz nach eigenem Tempo und Fitnesslevel planen.