Kultur

Jüdisches Museum Frankfurt: Geschichte und Gegenwart

Am Bertha-Pappenheim-Platz erzählt das Jüdische Museum Frankfurt in fast 300 Jahren jüdischer Geschichte von Blütezeiten, Verfolgung und dem Neuanfang nach 1945.

Jüdisches Museum Frankfurt: Geschichte und Gegenwart – Frankfurt-Stadtleben

Eröffnung am symbolträchtigsten Datum

Am 9. November 1988 – genau 50 Jahre nach der Reichspogromnacht – eröffnete das Jüdische Museum Frankfurt im historischen Rothschild-Palais am Untermainkai 14–15. Bundeskanzler Helmut Kohl war anwesend, als eines der ersten und bedeutendsten jüdischen Museen in Deutschland seine Türen öffnete. Die Wahl des Datums war bewusste Erinnerung und Verantwortung zugleich – ein Bekenntnis der Stadt Frankfurt zu ihrer Geschichte und zur Bedeutung jüdischen Lebens an diesem Ort.

Das Rothschild-Palais selbst trägt bereits Geschichte in sich: Es gehörte zur einflussreichen Bankiersfamilie Rothschild, die ihren Aufstieg in Frankfurt am Main begann. Das Palais wurde später von der Stadt erworben und dient seit der Museumsgründung als historischer Ankerpunkt der Ausstellung.

Moderner Neubau seit 2020

Nach mehrjährigem Umbau präsentiert sich das Museum seit 2020 in erweiterter Form. Der moderne Neubau am Bertha-Pappenheim-Platz 1 ergänzt das historische Rothschild-Palais um Veranstaltungsräume, eine Fachbibliothek, einen Wechselausstellungsbereich, ein koscheres Café sowie Werkstätten und Verwaltungsräume. Vor dem Haupteingang steht eine markante Aluminiumskulptur des israelischen Künstlers Ariel Schlesinger.

Der Neubau schafft eine klare räumliche Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Auf der einen Seite das Palais mit seiner gewachsenen Geschichte, auf der anderen das zeitgenössische Gebäude als Zeichen des lebendigen jüdischen Kulturlebens in Frankfurt heute. Das koscher zertifizierte Museumsrestaurant bietet Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, auch kulinarisch in die jüdische Alltagskultur einzutauchen.

Dauerausstellung „Wir sind jetzt“

Die Dauerausstellung im Rothschild-Palais trägt den Titel „Wir sind jetzt“ und erstreckt sich über drei Etagen. Sie beleuchtet knapp 300 Jahre jüdisches Leben und Kultur in Frankfurt – von der mittelalterlichen Judengasse über die Zeit der Aufklärung und Emanzipation bis zu Verfolgung, Holocaust und dem Leben jüdischer Menschen in Frankfurt heute.

Die Ausstellung arbeitet mit Originaldokumenten, persönlichen Gegenständen, Fotografien und multimedialen Installationen. Sie macht deutlich, dass die Geschichte der Jüdinnen und Juden in Frankfurt keine geschlossene Vergangenheit ist, sondern Teil einer lebendigen Gegenwart. Jedes Stockwerk eröffnet dabei eine neue Zeitschicht – vom Ghetto der frühen Neuzeit bis zu den Debatten der heutigen jüdischen Community in Frankfurt.

Das weltweit erste Familie Frank Zentrum

  • Im Museum befindet sich das weltweit erste Familie Frank Zentrum – ein eigenes Archiv und Ausstellungsbereich zur Geschichte der Familie Frank
  • Anne Frank wurde 1929 in Frankfurt geboren, zunächst in der Ganghoferstraße 24
  • Die Familie Frank lebte seit dem 16. Jahrhundert in Frankfurt
  • Das Zentrum zeigt Alltagsgegenstände, Briefe, Gemälde und Fotos aus dem Familienbesitz
  • Der Bestand wurde vom Anne Frank Fonds übergeben
  • Das Zentrum ergänzt die Vermittlung rund um das Tagebuch der Anne Frank um den bislang wenig bekannten Frankfurter Kontext ihrer Kindheit

Wer bisher nur die Amsterdamer Gedenkstätte kannte, findet hier eine andere, ergänzende Perspektive auf die Familie Frank – die der Herkunft, der Kindheit und der Verwurzelung in einer deutschen Großstadt, bevor das Exil und die Verfolgung begannen.

Bedeutung für Frankfurt und Deutschland

Das Jüdische Museum Frankfurt ist weit mehr als ein Geschichtsmuseum. Es ist ein aktiver Kulturort, der Begegnungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart ermöglicht. Frankfurt hat eine der ältesten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden Deutschlands – die Frankgasse, heute unter dem Begriff Judengasse bekannt, war im Mittelalter eines der bedeutendsten jüdischen Zentren im deutschsprachigen Raum.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Frankfurt zu einem Zentrum der jüdischen Aufklärung und Reformbewegung. Viele bedeutende Intellektuelle, Händler, Wissenschaftler und Künstler prägten das Frankfurter Stadtbild. Das Museum bewahrt dieses Erbe und stellt es in den Dialog mit gegenwärtigen Fragen zu Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Mitgestaltung.

Tipps für den Besuch

Ein Besuch des Jüdischen Museums Frankfurt lässt sich gut mit einem Spaziergang am Museumsufer verbinden. Das Museum liegt direkt am Untermainkai, unweit des Eisernen Stegs und zahlreicher anderer Museen entlang des Sachsenhäuser Ufers. Wer mehr Zeit mitbringt, kann nach dem Museumsbesuch die Neue Altstadt oder das nahe Sachsenhausen erkunden.

Der neue Haupteingang befindet sich am Bertha-Pappenheim-Platz 1. Mit dem Bus oder der U-Bahn erreichst du das Museum über die Haltestelle Willy-Brandt-Platz (U1–U9) in wenigen Gehminuten. Für Schulklassen und Gruppen bietet das Museum spezielle Führungen und pädagogische Programme an – eine Voranmeldung wird empfohlen. Audioguides sind in mehreren Sprachen erhältlich und geben vertiefende Einblicke in ausgewählte Ausstellungsstücke.

Häufige Fragen