Ein ungewöhnlicher Ort für Kunst
Wer den Portikus zum ersten Mal sieht, ist überrascht: ein schmaler, leuchtend rot verputzter Ziegelbau mit spitzem Satteldach, erreichbar über einen Steg von der Alten Brücke. Kaum zu glauben, dass sich hinter dieser unscheinbaren Fassade eine der renommiertesten Ausstellungsinstitutionen für zeitgenössische Kunst in Deutschland verbirgt. Seit 2006 bespielt der Portikus diesen Standort auf der Maininsel – spektakulärer könnte eine Lage kaum sein. Das Gebäude selbst ist ein ehemaliges Pumpenhaus aus dem 19. Jahrhundert, das nach aufwändiger Sanierung zu einem Ausstellungsraum umgewidmet wurde. Die Verbindung aus Industriegeschichte und Gegenwartskunst macht bereits das Gebäude selbst zu einem Statement.
Geschichte und Hintergrund
Gegründet wurde der Portikus 1987, zunächst in einem Containerraum hinter dem klassizistischen Säulenfrontispiz der alten Frankfurter Stadtbibliothek. Von Beginn an war die Institution eng mit der Städelschule verbunden, einer der führenden Kunstakademien Deutschlands. Diese Verbindung prägt das Programm bis heute: experimentell, mutig, international ausgerichtet. Die Städelschule, die seit Jahrzehnten Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt anzieht, bringt ein Netzwerk mit, das dem Portikus einen besonderen Zugang zu aufstrebenden und bereits etablierten Positionen der Gegenwartskunst sichert. Seit dem Umzug auf die Maininsel hat sich der Portikus zudem zu einem stadtbildprägenden Ort entwickelt – sichtbar vom Mainufer, zugänglich für alle.
Was den Portikus besonders macht
Im Inneren des Gebäudes erwartet dich ein einziger, hoher Ausstellungsraum mit umlaufender Galerie und einer Decke aus Glasbausteinen, die das Licht des Mains ins Innere lässt. Die räumliche Enge ist kein Nachteil, sondern Konzept: Ausstellungen werden eigens für diesen Ort entwickelt, Künstlerinnen und Künstler setzen sich intensiv mit dem Raum auseinander. Das Ergebnis sind oft ungewöhnliche, ortsspezifische Arbeiten, die anderswo so nicht möglich wären. Dieses Format – der sogenannte „site-specific approach“ – ist heute in der internationalen Kunstwelt anerkannt und macht den Portikus zu einem Laboratorium, in dem Ideen nicht nur ausgestellt, sondern erst durch den Ort ermöglicht werden. Besucherinnen und Besucher erleben Kunst deshalb nicht als fertig verpacktes Produkt, sondern als Reaktion auf einen konkreten Raum und Kontext.
Internationales Programm, lokale Verankerung
Der Portikus zeigt sowohl Positionen international bekannter Künstlerinnen und Künstler als auch zunehmend jüngere, aufstrebende Talente. Das macht ihn zu einem Ort, an dem du Kunst entdecken kannst, bevor sie in großen Museen landet. Die Ausstellungen wechseln regelmäßig, das Programm ist auf der Website portikus.de einsehbar. Gleichzeitig ist der Portikus tief in der Frankfurter Kunstszene verwurzelt: Er kooperiert mit lokalen Institutionen, bespielt gelegentlich auch andere Orte in der Stadt und versteht sich als Gesprächspartner innerhalb eines lebendigen kulturellen Ökosystems. Wer die Kunstszene Frankfurts wirklich verstehen möchte, kommt am Portikus nicht vorbei.
Der Portikus im Kontext der Frankfurter Museumslandschaft
Frankfurt ist bekannt für sein Museumsufer mit großen Häusern wie dem Städel, dem Schirn Kunsthalle oder dem Museum für Moderne Kunst. Der Portikus nimmt in diesem Gefüge eine bewusst andere Rolle ein: Er ist kein Museum mit Dauersammlung, kein kommerzielles Galerie-Modell und kein Kunsthallenbetrieb im klassischen Sinne. Er ist ein Projektraum, der vollständig auf das jeweilige Ausstellungsvorhaben ausgerichtet ist. Diese Freiheit ermöglicht es, Risiken einzugehen und Positionen zu zeigen, die anderswo keinen Platz finden würden. Wer neben dem Städel auch den Portikus besucht, bekommt ein vollständigeres Bild davon, wie breit die Gegenwartskunst aufgestellt ist.
Tipps für deinen Besuch
- Der Eintritt in den Portikus ist kostenlos – ein seltenes Geschenk in der Frankfurter Kunstszene.
- Die Ausstellungen sind in der Regel für einige Wochen zu sehen; ein Blick auf den Ausstellungskalender auf portikus.de lohnt sich vor dem Besuch.
- Die Lage an der Alten Brücke lädt zu einem Spaziergang entlang des Mainufers ein – vor oder nach der Ausstellung ideal zu verbinden mit dem Eisernen Steg oder dem Museumsufer.
- Der Portikus ist auch von der Sachsenhäuser Seite gut zu Fuß erreichbar, etwa zehn Minuten vom Apfelweinviertel entfernt.
- Wer sich tiefer einlesen möchte: Auf der Portikus-Website findest du Texte und Dokumentationen zu vergangenen Ausstellungen, die das Programm inhaltlich erschließen.
- Zu Ausstellungseröffnungen herrscht reger Betrieb; wer Ruhe bevorzugt, kommt besser unter der Woche zu den regulären Öffnungszeiten.
Der Portikus beweist, dass Größe in der Kunst nichts mit Quadratmetern zu tun hat. Wer in Frankfurt zeitgenössische Kunst erleben möchte, die wirklich etwas wagt, sollte diesen kleinen roten Bau auf seiner Maininsel unbedingt aufsuchen. Er ist einer jener seltenen Orte, an denen man das Gefühl hat, Kunstgeschichte nicht nachzuverfolgen, sondern unmittelbar mitzuerleben.