Steckbrief
- Ortsbezirk
- Bornheim/Ostend
- Einwohner
- ca. 32.000
- Bekannt für
- EZB-Hauptsitz, Osthafen, Kreativszene, Gastronomiemeile
- Wahrzeichen
- EZB-Doppelturm (185 m, eröffnet 2015)
Wandel im Schnelldurchlauf
Wer das Ostend vor zwanzig Jahren kannte und heute wiederkommt, traut seinen Augen kaum. Was einst Schlachthöfe, Kühlhäuser und Industriehallen waren, ist heute ein lebendiges Quartier mit Restaurants, Galerien, Start-ups und dem europäischen Symbol schlechthin: der Europäischen Zentralbank. Das Viertel gehört zum Ortsbezirk Bornheim/Ostend und zählt rund 32.000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Der Wandel des Ostends vollzog sich nicht über Nacht, sondern in mehreren Schüben. Zunächst zogen Künstler und Kreative in die günstigen Lofts und Gewerberäume der ehemaligen Industriegebäude. Dann folgten Gastronomen und Agenturen. Mit der Ansiedlung der EZB und dem Umbau des Osthafens wurde der Strukturwandel schließlich sichtbar für die ganze Stadt. Heute ist das Ostend eines der dynamischsten Viertel Frankfurts – und trotzdem noch immer ein Ort mit Ecken und Kanten.
Die EZB: Ein Gebäude verändert ein Viertel
Der sichtbarste Ausdruck des Wandels ist das Doppelturm-Hochhaus der Europäischen Zentralbank (EZB), das im Herbst 2014 bezogen und im März 2015 offiziell eröffnet wurde. Das Gebäude erhebt sich 185 Meter hoch über dem ehemaligen Frankfurter Großmarkthallen-Areal – die denkmalgeschützte Großmarkthalle aus den 1920er-Jahren wurde dabei erhalten und in den Neubau integriert. Die EZB ist heute eines der markantesten Wahrzeichen der Frankfurter Skyline östlich der Innenstadt.
Die Entscheidung, die EZB im Ostend anzusiedeln, war bewusst: Das Europäische Symbol sollte in einem Viertel im Aufbruch stehen, nicht in einem bereits gesättigten Stadtquartier. Die Integration der historischen Großmarkthalle in den modernen Neubau gilt als architektonisches Statement – Kontinuität und Erneuerung in einem Gebäude. Für das Viertel bedeutete die EZB-Ansiedlung einen erheblichen Imagegewinn und steigende Mieten in der unmittelbaren Umgebung.
Osthafen: Kultur, Gastronomie, Events
Der Osthafen ist das kreative Herzstück des Viertels. In den historischen Speichergebäuden und Hallen am Mainufer haben sich Agenturen, Designstudios, Restaurants und Eventlocations angesiedelt. Verschiedene Hallen werden regelmäßig für Konzerte, Messen und Kulturevents genutzt. Besonders beliebt ist der Bereich im Sommer, wenn die Mainufer-Terrassen zum Flanieren einladen.
Der Osthafen ist ein Musterbeispiel für gelungene Konversion: Aus brachliegenden Lagerhallen ist ein lebendiger Nutzungsmix entstanden, der Arbeit, Kultur und Freizeit zusammenbringt. Die erhaltene Industriearchitektur der Speicher gibt dem Quartier eine unverwechselbare Optik. Wer Frankfurt-Besucher beeindrucken will, führt sie an den Osthafen – es gibt kaum einen anderen Ort in der Stadt, der so gut zeigt, wie sich Frankfurt neu erfindet.
Gastronomie und Nachtleben
Das Ostend hat sich in den letzten Jahren zu einer der kulinarisch spannendsten Adressen Frankfurts entwickelt. Rund um die Hanauer Landstraße und im Osthafenquartier reihen sich Restaurants unterschiedlichster Küchen, Street-Food-Spots und Bars aneinander. Abends füllen sich die Gehsteige, und das Viertel hat eine eigene, ungezwungene Atmosphäre entwickelt, die zwischen Kreativklasse und alteingesessener Nachbarschaft vermittelt.
Besonders an Wochenenden verwandeln sich mehrere Locations im Ostend in Treffpunkte für ein junges, internationales Publikum. Die Nähe zur Innenstadt und die gute ÖPNV-Anbindung machen das Viertel auch für Gäste aus anderen Stadtteilen attraktiv. Das gastronomische Angebot ist bewusst uneinheitlich: Neben trendigen Cocktailbars gibt es traditionelle Gaststätten, die seit Jahrzehnten für dasselbe Stammpublikum öffnen.
Grünflächen und Mainufer
Trotz seiner urban-industriellen Geschichte ist das Ostend grüner als erwartet. Das Mainufer zwischen Flößerbrücke und Osthafen bietet einen angenehmen Uferweg für Spaziergänge und Radtouren. Grünanlagen rund um das EZB-Gelände ergänzen das Bild. Im Sommer trifft sich Frankfurt hier am Wasser. Die Uferpromenade ist Teil des durchgehenden Mainradwegs, der das Ostend mit dem Sachsenhäuser Ufer auf der anderen Seite verbindet – ein beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen.
Wohnen im Wandelviertel
Das Ostend ist ein Stadtteil, der seinen Alteingesessenen und seinen Neuzugezogenen gleichzeitig gehört. Viele Familien und Handwerksbetriebe leben seit Generationen hier, während Kreative, Finanzleute und Gastronomen den Wandel beschleunigen. Diese Mischung macht das Ostend zu einem der authentischsten Viertel Frankfurts. Die Mieten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, aber das Viertel hat bislang seinen gemischten Charakter bewahrt – auch weil viele Gebäude noch im Bestand älterer Eigentümer liegen.
- EZB-Hauptsitz: 185-Meter-Doppelturm, eröffnet März 2015
- Denkmalgeschützte Großmarkthalle aus den 1920er-Jahren, in EZB-Neubau integriert
- Osthafen mit Kultur-, Event- und Gastronomieangebot in historischen Industriehallen
- Lebhaftes Nachtleben rund um die Hanauer Landstraße
- Mainufer-Promenade für Spaziergänge und Radtouren
- Wachsende Kreativ- und Start-up-Szene in ehemaligen Gewerbeflächen