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Apfelwein selbst brauen: Workshops in Frankfurt

Wer in Frankfurt nicht nur trinkt, sondern auch versteht, wie Ebbelwoi entsteht, findet Workshops und Traditionsbetriebe, die das Handwerk live vermitteln.

Apfelwein selbst brauen: Workshops in Frankfurt – Frankfurt-Stadtleben

Eine Geschichte mit über 250 Jahren

Apfelwein ist seit über 250 Jahren das Nationalgetränk Frankfurts. Erste Schanklizensen gab es ab 1754, und als die Reblausplage in den 1860er-Jahren die Weinberge verwüstete, nutzten die Frankfurter die brachliegenden Flächen als Streuobstwiesen — der Apfelwein erlebte seinen großen Aufschwung. Heute gehört das Kultgetränk fest zur Stadtidentität, vom Sachsenhäuser Bembel-Abend bis zum Cider World Festival im Palmengarten. Was viele Besucher überrascht: Hinter dem vermeintlich schlichten Getränk steckt ein komplexes Handwerk, das von der Apfelsortenauswahl über die Maische bis zur Lagerung reicht. Traditionelle Keltereien und neue Kleinstbetriebe halten dieses Wissen lebendig und geben es in Führungen und Workshops weiter.

Wie Ebbelwoi entsteht

Die Herstellung ist einfacher als du denkst: Frisch gepresster Apfelsaft wird mit Hefe versetzt und vergärt in großen Holz- oder Edelstahlfässern mehrere Wochen bei kühler Temperatur. Das Ergebnis ist ein trockener, leicht prickelnder Wein mit typisch herbem Abgang. Traditionelle Betriebe wie Apfelwein Wagner oder der Klaane Sachsehäuser — 1886 gegründet — produzieren nach überlieferten Rezepturen, die kaum verändert wurden. Entscheidend für das Aroma ist die Auswahl der Äpfel: Bitterherbe Sorten wie Bohnapfel oder Bittenfelder sorgen für Gerbstoffe und Struktur, mildere Sorten wie Boskoop gleichen die Schärfe aus. Der Most wird zunächst vorgestoren — also kurz erhitzt oder mit Schwefel behandelt —, bevor die Hefe angesetzt wird, damit unerwünschte Mikroorganismen keinen Einfluss nehmen. In kleinen Keltereien übernehmen das oft Wildhefe-Kulturen, die dem Endprodukt einen unverwechselbaren Hauscharakter geben.

Wo du einen Workshop buchst

Das Frankfurter Apfelweinfest im August auf dem Roßmarkt bietet in jedem Jahr Mitmach-Workshops, bei denen du das Handwerk der Mostherstellung direkt kennenlernst. Darüber hinaus organisieren einzelne Strausswirtschaften in Sachsenhausen und Schwanheim auf Anfrage Gruppenführungen durch Keller und Pressen. Die Kelterei Wagner in Sachsenhausen öffnet ihr historisches Kelterhaus für Besichtigungen. Wer gezielt sucht, findet auch auf Plattformen wie Eventbrite oder Meetup Frankfurt gelegentlich kleinere Privatkurse, in denen lokale Keltermeister ihr Wissen an Gruppen von sechs bis zwölf Personen weitergeben. Für Schulklassen und Betriebsausflüge lohnt sich die direkte Anfrage bei der Frankfurter Tourismus und Congress GmbH, die entsprechende Kontakte zu Partnerbetrieben vermitteln kann. Außerhalb des Festbetriebs sind die Monate September und Oktober besonders empfehlenswert, weil dann die frische Ernte verarbeitet wird und man den gesamten Pressvorgang live erleben kann.

Cider World Frankfurt

International aufgestellt ist die Cider World im Palmengarten, die als weltweit führende Fachmesse für Apfelwein und Cider gilt. Neben Fachbesuchern sind an bestimmten Tagen auch Verbraucher willkommen und können sich durch Dutzende Stile aus aller Welt probieren — vom hessischen Süßmost bis zum spanischen Sidra. Neben dem reinen Verkosten bietet die Cider World auch Masterclasses und Vorträge an, bei denen Keltermeister aus verschiedenen Ländern ihre Arbeitsweise erläutern. Wer den Unterschied zwischen einem tanninreichen englischen Farmhouse Cider und einem milden hessischen Süßmost verstehen will, ist hier genau richtig. Die Veranstaltung findet üblicherweise im Frühjahr statt — aktuelle Termine gibt es auf der offiziellen Website der Cider World.

Selber machen: Was du brauchst

Für einen ersten Eigenversuch reichen wenige Zutaten. Workshops vermitteln die Grundlagen und erklären, worauf es beim Heimkeltern ankommt — besonders bei Hygiene und Temperaturführung, denn beides entscheidet maßgeblich über Qualität und Haltbarkeit. Ein häufiger Anfängerfehler ist die zu warme Gärung: Über 18 °C entstehen leicht Fuselalkohole, die den Geschmack beeinträchtigen.

  • Frische Äpfel verschiedener Sorten für ein ausgewogenes Aroma
  • Eine Obstpresse oder Entsafter für den Frischsaft
  • Geeignete Hefe, idealerweise eine Weinhefe für saubere Vergärung
  • Ein verschließbares Gärgefäß mit Wasserverschluss
  • Geduld: Vier bis sechs Wochen Gärzeit bei 10–15 °C sind ideal
  • Der klassische Bembel aus Steinzeug zum Servieren

Apfelwein-Kultur erleben

Egal ob du einen Kurs belegst oder einfach in eine der traditionellen Apfelweinwirtschaften gehst: Das Verständnis für die Herstellung macht den Genuss tiefer. Frag nach dem Jahrgang, der Apfelsorte und dem Säuregehalt — in guten Betrieben erzählen dir die Wirte alles darüber. Traditionelle Wirtschaften erkennst du übrigens nicht nur am Bembel auf dem Tisch, sondern auch an der grünen Fichtentanne, die über dem Eingang hängt: Das ist das historische Zeichen der Strausswirtschaft, das anzeigt, dass frischer Apfelwein ausgeschenkt wird. Und wer einmal selbst gekeltert hat, trinkt seinen Schoppen danach mit ganz anderen Augen — und weiß zu schätzen, wie viel Arbeit, Erfahrung und Leidenschaft in jedem Glas stecken.

Häufige Fragen