Alt-Sachsenhausen: das Herz der Apfelwein-Kultur
Kaum ein Viertel steht so sehr für den Frankfurter Apfelwein wie Alt-Sachsenhausen. Zwischen den engen Gassen rund um die Fahrgasse und Frankensteiner Straße reihen sich Wirtschaften mit kleinen Vorgärten und Kiesplätzen aneinander, an denen im Sommer bis spät abends geschoppt wird. Die Atmosphäre ist unverwechselbar: hölzerne Bänke, der metallische Klang des Bembels, der auf den Tisch gestellt wird, und das leise Gluckern beim Einschenken in die gerippten Gläser. Viele Häuser haben ihre Höfe herausgeputzt, mit Kastanienbäumen oder Markisen, die etwas Schatten spenden, wenn die Nachmittagssonne noch heiß auf das Kopfsteinpflaster brennt.
Typisch: Handkäs, Grüne Soße und der Bembel als Mittelpunkt
Der Sommer in den Apfelwein-Gärten hat seine eigene Kulinarik. Handkäs mit Musik, also mit Zwiebeln, Kümmel und Essig-Öl-Marinade, gehört zu den Klassikern, die auch bei hohen Temperaturen erfrischen. Ebenso die Grüne Soße, die es in Frankfurt traditionell aus sieben Kräutern gibt und die mit Pellkartoffeln und Ei ein Gericht ergibt, das leicht im Magen liegt und trotzdem sättigt. Dazu der Apfelwein selbst, meist als „Gespritzter“ mit Mineralwasser bestellt, eine spritzige, wenig alkoholische Erfrischung für laue Abende. Der Bembel, das bauchige Steinzeuggefäß, bleibt dabei mehr als nur Gefäß, er ist das Symbol für das gesellige Beisammensein am Tisch.
Über Sachsenhausen hinaus: Apfelwein-Gärten in anderen Vierteln
Wer denkt, Apfelwein sei nur ein Sachsenhausen-Thema, irrt. Auch im Frankfurter Norden und Westen, etwa in Bornheim oder Bockenheim, haben sich Lokale mit Außenbereichen etabliert, die im Sommer zum Verweilen einladen. Gerade in Bornheim, mit seinem dörflichen Charme rund um die Berger Straße, findet man kleinere Höfe und Terrassen, die abends angenehm kühl liegen. Auch im Frankfurter Umland, etwa in Höchst mit seiner historischen Altstadt oder in den Stadtteilen am Mainufer, gibt es Gartenwirtschaften, die bewusst auf Apfelwein-Tradition setzen, oft mit Blick auf Fachwerk oder den Fluss.
Draußen sitzen am Main: eine zweite Heimat für den Sommer
Der Main selbst wird im Sommer zur Kulisse für den Apfelwein-Genuss. Entlang des Sachsenhäuser Mainufers gibt es Lokale, die ihre Tische direkt zum Fluss hin ausrichten, sodass man beim Schoppen die Schiffe vorbeiziehen sieht. Wer es ruhiger mag, findet auf der gegenüberliegenden Seite, Richtung Gerbermühle im Osten der Stadt, größere Gartenanlagen mit altem Baumbestand, die von der Frankfurter Skyline im Hintergrund abgerundet werden. Diese Kombination aus Natur, Fluss und Stadtsilhouette macht das Sommer-Schoppen an manchen Stellen zu einem echten Erlebnis.
Praktische Tipps für den perfekten Garten-Abend
Wer im Sommer draußen sitzen will, sollte einige Dinge beachten. An warmen Wochenenden sind die begehrten Außenplätze oft schnell vergeben, vor allem in Alt-Sachsenhausen. Ein früher Besuch am späten Nachmittag sichert oft noch schattige Plätze unter Bäumen, bevor der Ansturm am Abend beginnt. Wer mit einer größeren Gruppe unterwegs ist, fragt am besten vorab telefonisch nach, ob reserviert werden kann. Auch ein Blick aufs Wetter lohnt sich, viele Gärten haben zwar Sonnenschirme oder Markisen, aber nicht überall ist ausreichend Regenschutz vorhanden.
Mehr als Trinken: die soziale Rolle der Apfelwein-Gärten
Die Apfelwein-Gärten sind für viele Frankfurter mehr als reine Gastronomie, sie sind sommerlicher Treffpunkt. Hier verabreden sich Nachbarschaften, Familien feiern Geburtstage an langen Tischen, Kollegen lassen die Arbeitswoche bei einem Schoppen ausklingen. Das Gemeinschaftsgefühl, das entsteht, wenn man sich an vollen Holztischen mit Fremden den Platz teilt, ist Teil der Frankfurter Identität. Diese Mischung aus Tradition, Genuss und Geselligkeit macht die Apfelwein-Gärten im Sommer zu einem festen Bestandteil des Frankfurter Lebensgefühls, ob in der berühmten Alt-Sachsenhausen-Kulisse oder abseits davon in den ruhigeren Ecken der Stadt.