Ein Viertel, zwei Gesichter
Alt-Sachsenhausen liegt gleich südlich des Mains, nur wenige Gehminuten vom Museumsufer entfernt, und wirkt doch wie eine eigene kleine Welt. Enge Gassen mit Kopfsteinpflaster, schiefe Fachwerkfassaden und Wirtshausschilder, die im Wind schaukeln, prägen das Bild. Tagsüber ist es hier beschaulich, fast dörflich. Sobald die Sonne untergeht, füllen sich die Straßen zwischen Klein, Große Rittergasse und Neuer Wirtschaft mit Menschen, die auf ein Glas Apfelwein oder mehr vorbeikommen. Genau in diesem Nebeneinander von Beschaulichkeit und Trubel liegt der Reiz des Viertels – man muss nur wissen, wo man hinschaut.
Das Kopfstück: Herz der Apfelwein-Kultur
Als Kopfstück wird traditionell der ältere, ursprünglichere Teil Sachsenhausens bezeichnet, in dem die klassischen Apfelwein-Wirtschaften ihre Wurzeln haben. Hier sitzt man an langen Holztischen, oft mit Fremden Schulter an Schulter, und bekommt den Ebbelwoi im geriffelten Bembel serviert. Dazu gehören deftige Klassiker wie Handkäs mit Musik oder Grüne Soße mit Ei und Kartoffeln. Der Ton ist rau, aber herzlich, das Bedienungspersonal oft seit Jahrzehnten im Geschäft. Wer wissen will, wie sich Frankfurt anfühlt, wenn es bei sich selbst zu Gast ist, sollte hier mindestens einen Abend verbringen – am besten nicht an einem Freitag im Hochsommer, wenn die Reisebusse ihre Ladung direkt vor die Tür bringen.
Kneipentour: So baust du dir den Abend
Ein bewährtes Prinzip für Alt-Sachsenhausen ist der Wechsel zwischen Apfelwein-Wirtschaft und Bar. Starte früh, gegen 19 oder 20 Uhr, in einer der traditionellen Kneipen im Kopfstück, um in Ruhe zu essen und den ersten Bembel zu leeren. Danach lohnt sich ein Spaziergang durch die Nebengassen Richtung Affentorplatz oder Textorstraße, wo sich modernere Bars und kleinere Läden mit eigener Handschrift finden. Plane bewusst Pausen zum Gassenschlendern ein – das Viertel ist klein genug, um in zwanzig Minuten zu Fuß von einem Ende zum anderen zu kommen, aber dicht genug, um ständig neue Ecken zu entdecken. Wer später noch tanzen will, verschiebt den Wechsel zur Bar oder zum Club auf nach 23 Uhr, wenn die Wirtschaften langsam leerer werden.
Bars, Clubs und Live-Musik
Neben den Apfelwein-Institutionen hat sich in Alt-Sachsenhausen über die Jahre eine kleine, aber feine Bar- und Clubszene gehalten. In den Seitenstraßen abseits der Hauptlaufwege gibt es Cocktailbars mit gedämpftem Licht und ruhigerer Musik, ideal für den späteren Teil des Abends zu zweit oder in kleiner Runde. Wer auf Live-Musik steht, findet in manchen Kneipen und kleinen Bühnen im Viertel regelmäßig Auftritte von Bands, die von Blues über Rock bis zu handgemachtem Pop reichen – ein Blick auf die Aushänge vor den Türen oder auf die Ankündigungen der jeweiligen Location lohnt sich, da das Programm oft kurzfristig zusammengestellt wird. Clubs mit Tanzfläche findest du eher am Rand des Viertels Richtung Schweizer Platz, während das eigentliche Kopfstück klar von den urigen Wirtschaften dominiert wird.
Touristen-Trubel vs. Locals-Spots
Der Unterschied zwischen den bekannten und den eher unauffälligen Adressen zeigt sich oft schon am Publikum vor der Tür. Die Lokale direkt an den belebten Kreuzungen mit großen Außenterrassen, mehrsprachigen Speisekarten und lauter Musik richten sich stark an Besuchergruppen und Kegelclubs. Wenige Meter weiter, in den ruhigeren Seitengassen, sitzen oft mehr Frankfurter am Tisch, die Speisekarte ist kürzer, das Bier oder der Apfelwein aber nicht schlechter. Ein einfacher Trick: Wirtschaften, vor denen überwiegend Deutsch gesprochen wird und die auch unter der Woche gut besucht sind, sind meist die verlässlicheren Adressen für ein authentisches Sachsenhausen-Gefühl.
Praktische Tipps für den Abend
Reservieren ist in den meisten klassischen Apfelwein-Wirtschaften nicht üblich und oft auch nicht möglich – wer zu zweit oder in kleiner Gruppe unterwegs ist, findet aber meist auch spontan einen Platz an der langen Tafel. Bargeld solltest du in den traditionelleren Lokalen weiterhin dabeihaben, auch wenn Kartenzahlung zunehmend Standard wird. Bequeme Schuhe sind Pflicht, denn das Kopfsteinpflaster verzeiht keine hohen Absätze. Und falls du am nächsten Morgen noch klar denken willst: Der Apfelwein hat mehr Wucht, als sein fruchtiger Geschmack vermuten lässt, also lieber in Maßen genießen und zwischendurch Wasser trinken.